Zeremonie – Übergangsritual – Initiation – Reifefeier und -weihe

In unserem Leben durchlaufen wir viele verschiedene Stadien.

Wir werden in diese Welt geboren, wachsen heran und gehen Schritt für Schritt in unsere Unabhängigkeit und ein eigenständiges Leben.

Wir erleben viele Übergänge zwischen zwei Lebensstadien oder sozialen Zuständen (zum Beispiel vom Jugendlichen zum Erwachsenen oder von der Ledigkeit in eine Ehe).

In den Naturvölkern wurden (und werden) zu den Übergängen Rituale gefeiert, in welchen die neue Reife und Zugehörigkeit in den neuen Lebensabschnitt zelebriert und klar aufgezeigt werden.

Wenn wir zurückdenken als wir vom Kindesalter in die Jugend übergegangen sind und irgendwann ins Erwachsenensein, stellen wir fest, dass wir mit Sicherheit keine genauen Zeiten oder Alter definieren können.

Ab wann war ich erwachsen? Bin ich wirklich erwachsen?

Die Übergänge sind undefinierte und ungeschützte Zwischenzustände in welchen man sich oft unsicher in seiner Selbsteinschätzung, wer und was man letztendlich gerade ist und wo man dazugehört, ist.

Um Klarheit in diese Lebensphasen zu bringen sind hier gesonderte Rituale sinnvoll. Sie erleichtern die Selbsteinschätzung und das Zugehörigkeitsgefühl.

Die 8 Haupt-Stationen unseres Lebens sind:

Geburt – Kleinkind – Kind – Jugendlicher – Erwachsener – Senior – Greis – Tod

Soziale Stationen sind zum Beispiel:

Gründung eines eigenen Haushaltes – Hochzeit – Geburt eines eigenen Kindes – Geburt eigener Enkel – Tod der Eltern

In jedem Übergang durchlaufen wir verschiedene Phasen.

Eine Ablösungsphase, eine Zwischenphase und eine Integrationsphase.

In Übergangsriten sollte man jede dieser Phasen schätzen, würdigen und feiern – mit einem Trennungsritual, einem Schwellen- oder Übergangsritual und einem Angliederungsritual. – Auf gut deutsch mit einer kleinen Heldenreise.

(Diese schönen Bezeichnungen hat übrigens der Ethnologe Arnold van Gennep geprägt.)

Klingt jetzt erst einmal kompliziert um es durchzuführen, aber es ist ganz leicht.

Natürlich kann, darf und soll sich jeder selbst seine eigenen Rituale zu den Übergängen erschaffen, aber ich werde natürlich trotzdem ein Beispiel geben.

Erst einmal habe ich absichtlich keine Altersangaben zu den verschiedenen Lebensabschnitten dazugeschrieben, da wir alle komplett unterschiedliche Individuen sind und jeder sich anders entwickelt.

Wann ein Ritual gefeiert wird liegt im eigenen Ermessen.

Das Ritual:

Das Ritual findet am besten innerhalb der Familie und gerne mit engen Freunden statt.

Man kann auch alleine ein Ritual feiern, aber zu diesen großen Riten ist es stärker und stimmungsvoller, wenn mehr liebe Menschen dabei sind.

Und es braucht einen Ritual-Leiter.

Wird das Ritual alleine durchgeführt macht es natürlich der Initiant selbst, ansonsten bestimmt er eine Person oder derjenige der sich dazu berufen fühlt fragt den Initianten ob er damit einverstanden ist, wenn er die Leitung übernimmt.

Als Zubehör bietet sich Wasser (oder Wein) in einem Kelch, oder in Kelchen für alle beteiligten Personen, an.

Feuer in Form einer brennenden Kerze oder eines Feuers draußen.

Erde gerne draußen, in einer Schale oder alternativ ein Stück Brot (das Brot oder etwas Anderes zu Essen)

Luft in Form von Rauch – Räucherwerk. Besonders schön ist natürlich getrockneter Beifuß oder Sage (Steppenbeifuß), es tun aber auch Räucherstäbchen oder getrocknete Kräuter aus dem Gewürzregal. J

Diese Zutaten legt man entweder einfach auf den Tisch oder richtet sie in den vier Himmelsrichtungen aus.

Ablösungsphase – Trennungsritual

Der Initiant nimmt den Becher mit Wasser/Wein und ein Stück von dem Brot/ein paar Krümel der Erde in die Hand und bedankt sich für seinen letzten Lebensabschnitt.

Dann reicht er Brot und Wein im Sonnenlauf (im Uhrzeigersinn) weiter an die Person neben ihm und diese Person bedankt sich für die Lebensphase des Initianten und führt ein paar schöne Erinnerungen auf.

So gehen Brot und Wein im Kreis, bis sie wieder beim Initianten ankommen.

Dieser führt auch noch ein paar schöne Erinnerungen aus der Zeit auf, dankt dafür und schüttet etwas von dem Wein (draußen) auf die Erde und legt das Stückchen Brot als Spiritfood (Geschenk für alle uns wohlgesonnenen Wesen) dazu.

Zwischenphase – Schwellen- und Übergangsritual

In älterer Zeit ging der Initiant hierzu ins Wasser, tauchte komplett unter und wurde dann herausgeholt und anschließend empfangen.

Zum Schwellen- und Übergangsritual kann der Initiant natürlich auch einen Zettel mit der Bezeichnung der vorherigen Phase beschreiben oder mehrere Zettel mit Erinnerungen an diese Zeit (gute sowie auch schlechte).

Diese Zettel verschürt er dann im Feuer. Symbolisch löst er sich so von der alten Zeit.

Ein sehr schönes Zeichen, denn der Rauch ist das Einzige, was sich vor unseren Augen auflöst – und die Zettel im Feuer.

Natürlich können auch die anderen Teilnehmer Zettel beschreiben und mit verbrennen.

Für diese Zwischenphase kann man natürlich auch eine Schwitzhütte machen.

Integrationsphase – Angliederungsritual

Der Ritual-Leiter beginnt mit dem Becher Wein/Wasser in der Hand und heißt den Initianten im neuen Lebensabschnitt willkommen.

Hierfür zählt er auch seine eigenen starken Lebensstationen auf.

Als Beispiel habe ich für die Initiation meines Vaters als Familienältesten das Ritual geleitet und etwas in folgender Art gesagt: „Ich als Frau, als Tochter und als Mutter begrüße Dich Vater und Mann als neuen Familienältesten.“

Dann wird der Becher wieder im Sonnenlauf weitergereicht und jeder begrüßt den Initianten mit seinen eigenen Worten.

Im Ritual zum Familienältesten für meinen Vater, nach dem Tod seiner Mutter, haben mich die spontanen Worte meiner Mutter sehr gerührt.

Lässt man die Teilnehmer, nachdem man begonnen hat und ein Beispiel der Begrüßung gesagt hat, selbst frei sprechen, kommen die berührendsten Worte. „Ich als Deine Ehefrau, als Frau, als Mutter Deiner Töchter, Großmutter Deiner Enkel, …“

Nachdem alle Teilnehmer gesprochen haben, nimmt der Initiant den Kelch, nimmt die neue Rolle, den neuen Lebensabschnitt an und trinkt.

Danach stoßen natürlich alle gemeinsam darauf an und feiern.

Diese einfache grob beschriebene Initiation ist natürlich frei und individuell wandelbar.

Besondere soziale Stationen im Leben mit ihren Besonderheiten

Hochzeit

Bei der Hochzeit sollten die Brautleute sich zusätzlich bei ihren Eltern für die geleistete Erziehungsarbeit bedanken und sie daraus entlassen, da man nun eine eigene Familie gegründet hat.

Geburt eines eigenen Kindes

Die Geburt selbst ist für die Mutter eine eigene spezielle Initiation, in welcher sie eine neue Reife erlangt und einen anderen Blick auf die Welt.

Ein gesondertes Ritual für die neue Mutter und den neuen Vater helfen den beiden sich in ihre jeweilige neue Rolle hineinzufinden.

Von ganzem Herzen unterstütze ich Dich gerne im Aufbau Deines Seminars oder leite es für Dich als Zeremonienmeister gerne an.

Hier findest Du mehr über meine Arbeit und Unterstützung dazu.

Zeremonie, Ritual

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.